Interkulturelle Kompetenz als Erfolgsaktor Teil 2

09.09.2011

Deutsche vs. südosteuropäische Geschäftskultur  –  Sach- vs. Beziehungsorientierung

Wie bereits erwähnt bleiben Ihre deutschsprachigen Partner lieber auf der Sachebene. Sie verlieren ihr Ziel nicht aus dem Auge und verfolgen es mit systematischer Genauigkeit.  Dabei sind klare Regeln und standardisierte Prozesse genauso unabdingbar, wie die Verteilung von Zuständigkeiten. Denn die Eigenverantwortung wird in deutschen Unternehmen immer hoch geschätzt.

 Wer Fristen überzieht bzw. falls einem Fehler unterlaufen, muss auch die Konsequenzen ziehen und dafür vor seinen Kollegen verantworten.

Anders muss man in Südosteuropa den Verantwortlichen meistens selbst ausfindig machen. Oft ist das gar nicht so einfach, denn für eine und dieselbe Sache sind manchmal mehrere Leute zuständig, was einerseits mit mangelnder Strukturierung und andererseits mit Verantwortungsscheu zusammenhängt.

Ein weiteres Merkmal der südosteuropäischen Geschäftskultur ist, dass man viel länger braucht, um zur Sache zu kommen. Dies kann  bei Geschäftsbesprechungen für das Gegenüber manchmal verwirrend und irritieren wirken, besonders wenn man sich in einem informellen freundlichen Gespräch verwickelt sieht, anstatt Richtlinien und Fristen festzulegen. Letztendlich interessieren die Urlaubspläne des Geschäftspartners kaum jemanden, viel wichtiger ist z.B. über die Vertragsbedingungen zu diskutieren. In Südosteuropa wird die Trennlinie zwischen Privatem und Beruflichem jedoch nicht so klar gezogen. Man will zu seinem Partner eine Beziehung herstellen und Vertrauen aufbauen, und zwar nicht nur auf formaler, sondern auch auf persönlicher Ebene.

Im Endeffekt reicht manchmal nur ein Handschlag, um eine Vereinbarung zu treffen.

Mündliche Vereinbarungen sind in Südosteuropa ein Normalfall. Dabei muss man jedoch gut aufpassen, denn viele wesentliche Details werden nebenbei gesagt und man muss vieles zwischen den Zeilen lesen. Viele deutsche Unternehmer können mit einem solchen Kommunikationsstil überhaupt nicht zurechtkommen. Sie sind gewöhnt, bei Verhandlungen mit reinen Fakten zu operieren und die Dinge beim Namen zu nennen statt Rätsel zu entschlüsseln.

Der Zeitfaktor

In Südosteuropa hat man ein anderes Zeitempfinden. Fristen werden oft als grobe Richtlinien wahrgenommen, die bei Bedarf beliebig ausgedehnt werden können. Deshalb ist es ratsam vom Anfang an explizit klarzustellen, dass Termine genau einzuhalten sind oder in den Vertrag Klauseln aufzunehmen, die die Vorgehensweise bei Verzug regeln.

Jungunternehmer – die nächste Generation

Die oben beschriebenen Besonderheiten sind jedenfalls nicht als allgemein gültig zu verstehen. Denn jede Generalisierung  verkürzt die Wirklichkeit. Zwar stößt man in der Praxis oft auf Unternehmer, die nach diesen Mustern handeln. Sie stammen aber aus einer Zeit, als die Märkte viel geschlossener waren und die Wirtschaftsaktivität oft ausschließlich lokal beschränkt war. Heutzutage gehört internationale Zusammenarbeit zum Unternehmensalltag und interkulturelle Kompetenz zu den Grundvoraussetzungen für erfolgreiche Unternehmer. In diesem Sinne sind gerade die kommenden Generationen von Jungunternehmern imstande, diese Klischees zu überwinden. Indem sie in Zeiten der Interkulturalität aufwachsen, können sie sehr früh die Kompetenzen entwickeln, die für eine erfolgreiche internationale Geschäftskommunikation erforderlich sind.

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